(2014-07-05) Automatische Reaktorschnellabschaltung durch Neutronenfluss-Hoch

Das Kernkraftwerk Leibstadt hatte für den 5. Juli 2014 eine Anpassung der Stellung der Steuerstäbe geplant. Als Vorbereitung darauf wurde die thermische Leistung des Reaktors von 100 % auf rund 80 % reduziert. Dazu wurde der Neutronenflussregler wie vorgesehen auf Handbetrieb umgeschaltet. Um die Reaktorleistung während der Stabmusteranpassung bei konstant 80 % zu halten, wurde der Neutronenflussregler nach der Leistungsreduktion wieder auf automatischen Betrieb umgeschaltet.

Im automatischen Betrieb dient das Ausgangssignal des Hauptreglers als Sollwert für den Neutronenflussregler. Um eine Regelabweichung im Moment des Umschaltens zu vermeiden, müssen Hauptregler und Neutronenflussregler vorgängig abgeglichen werden.

Weil dieser Abgleich nicht erfolgt war, entsprach das Ausgangssignal des Hauptreglers immer noch einer Reaktorleistung von 100 %, was im Moment des Umschaltens des Neutronenflussreglers zum Sollwert wurde. Da die Reaktorleistung nur 80 % betrug, kam es zu einem raschen Öffnen der Umwälzmengenregelventile. Der durch die erhöhte Strömungsgeschwindigkeit verminderte Dampfblasengehalt im Reaktor führte zu einem Anstieg des Neutronenflusses und der Wärmeproduktion im Brennstoff. Nach 3 Sekunden erreichte der Neutronenfluss 118 % des Nennwerts, was auslegungsgemäss zu einer Reaktorschnellabschaltung führte.

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